Herbersteingarten
Der Südhang des Schlossbergs wurde von der Grafenfamilie Herberstein, die 1798 das gleichnamige Palais in der Sackstraße erbte, als Weingarten kultiviert. Vom Dachboden des Südtrakts führte ein inzwischen verfallener Felsensteig zu den Weingärten. 1930 erwarb die Stadt Graz den nach wechselnden Besitzverhältnissen verwahrlosten Garten und erneuerte sowohl die Terrassenanlage als auch die Bepflanzung. Zeitgleich wurde der Herbersteingarten über den Kriegssteig zugänglich gemacht und 1931 feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Die vom Schriftsteller Rudolf Bartsch zu den „Hängenden Gärten von Graz“ erhobene Anlage gilt als herausragendes Beispiel der Gartenarchitektur in der Zwischenkriegszeit.

Wissenswertes
Der Herbersteingarten ist eine grüne Oase mit mediterranem Flair, in der Zitronen-, Feigen-, Granatapfel- und Bitterorangenbäume seit Generationen gedeihen und Jahr für Jahr aromatische Früchte tragen. Doch nicht nur exotische Pflanzen prägen diesen besonderen Ort – auch die Weintradition spielt eine Rolle: 1991 wurde auf Initiative von Josef Hofstadler ein kleiner Weingarten angelegt, aus dem über viele Jahre der berühmte Schlossbergwein gekeltert wurde. Ein Geheimtipp für Naturliebhaber und Genießer!
Der Schlossberg ist eine grüne Rückzugsstätte mitten in Graz und ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Rund 45 Vogelarten tummeln sich in den Baumkronen, die sie sich mit Eichhörnchen teilen, während Dachse am Fuße des Berges leben. In den warmen Monaten kann man Eidechsen auf den Mauern sonnen sehen, während sich seltene Insekten, darunter die Tapezierspinne, im Verborgenen aufhalten. Tief im Inneren des Berges haben schließlich Fledermäuse in den Stollen ihr Zuhause gefunden – ein faszinierendes Ökosystem mitten in der Stadt!
Die Grafen von Herberstein sind ein altes österreichisches Adelsgeschlecht, das seine Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Die Familie wurde erstmals 1287 urkundlich erwähnt, 1290 erwarb Otto von Hartberg die Veste Herberstein und benannte sich nach ihr. Im Laufe der Jahrhunderte stiegen die Herbersteins in den Adelsrängen auf – 1537 wurden sie Reichsfreiherren, 1644 erhielten sie den Grafentitel und 1710 wurden sie in den Reichsgrafenstand erhoben. Der Stammsitz der Familie, das Schloss Herberstein in der Steiermark, befindet sich seit über 700 Jahren in Familienbesitz. Heute ist es nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch eine beliebte touristische Attraktion mit einem Tierpark.